Auf TikTok heißt sie "Killerkreuzung": die Linksabbiegung vom Oststeinbeker Weg auf die Glinder Straße in Hamburg-Billstedt, direkt am Selgros, mitten in den Prüfungsrouten des TÜV Hanse. Zwei Spuren biegen gleichzeitig links ab, Leitlinien führen durch die Kreuzung, und wer auf der falschen Seite ankommt, hat gerade einen Spurwechsel in der Kreuzung gemacht, ohne es zu merken. Genau das Muster gibt es in jeder Stadt. Hier ist die Regel dahinter, in drei Fällen.
Fall 1: Zwei Abbiegespuren, zwei Zielspuren
Das ist der Oststeinbeker Weg. Beide Spuren biegen links ab, die Glinder Straße hat in Fahrtrichtung zwei Fahrstreifen.
Die Regel ist so einfach wie streng: Spur zu Spur. Aus der linken Abbiegespur kommst du im linken Fahrstreifen der Zielstraße an, aus der rechten im rechten. Die gestrichelten Leitlinien in der Kreuzung zeigen dir den Weg, du folgst deiner Linie und keiner anderen.
Was schiefgeht: Die innere Spur zieht in der Kurve nach außen, die äußere schneidet nach innen. Beides landet in der Nachbarspur. Für den Prüfer ist das ein unangezeigter Spurwechsel, und an einer belebten Kreuzung nimmt es dem Auto neben dir den Platz weg. Merksatz: Innen bleibt innen, außen bleibt außen.
Die Entscheidung fällt vor der Kreuzung. Wer erst in der Kreuzung merkt, dass er die andere Spur braucht, fährt trotzdem seine Linie zu Ende und wechselt danach mit Spiegel, Blinker und Schulterblick.
Fall 2: Eine Abbiegespur, aber zwei Zielspuren
Häufiger als man denkt: Du biegst aus einer einzelnen Linksabbiegespur ab, die Zielstraße hat aber zwei Fahrstreifen in deine Richtung. Welchen nimmst du?
Das Gesetz schreibt die Zielspur nicht wörtlich vor. Innerorts dürfen Pkw auf Straßen mit mehreren Fahrstreifen den Fahrstreifen frei wählen (§ 7 Abs. 3 StVO). Trotzdem gibt es eine klare Prüfungserwartung, und sie folgt aus dem Rechtsfahrgebot (§ 2 StVO): Ohne Markierung, die etwas anderes vorgibt, fährst du in den rechten Fahrstreifen der Zielstraße. Brauchst du danach den linken, wechselst du nach dem Abbiegen, angezeigt und mit Schulterblick.
Zwei Ausnahmen, die die Zielspur festlegen:
- Leitlinien in der Kreuzung, die aus deiner Spur in einen bestimmten Fahrstreifen führen. Dann gilt die Linie.
- Pfeile oder eine zweite Abbiegespur, die die Zuordnung eindeutig machen.
Was Prüfer als Fehler werten: direkt diagonal in den linken Fahrstreifen ziehen, oder zwischen den beiden Fahrstreifen auf der Leitlinie ankommen. Beides heißt "keine Spur gewählt".
Fall 3: Mehrspurig rechts abbiegen
Zwei Rechtsabbiegespuren funktionieren wie Fall 1, Spur zu Spur. Dazu kommt eine Falle, die nur rechts existiert: Beide Abbiegespuren kreuzen den Radweg der Zielstraße. Der Schulterblick nach rechts unmittelbar vor dem Einlenken gilt deshalb auch aus der linken Abbiegespur, obwohl sich das erst einmal falsch anfühlt. Wer ihn nur aus der rechten Spur macht, fällt an genau dieser Stelle durch.
Die Reihenfolge, die sich der Prüfer merkt
- Vor der Kreuzung: Abbiegespur wählen, einordnen, blinken.
- Am Haltepunkt: Gegenverkehr und Fußgänger prüfen, beim Rechtsabbiegen Schulterblick rechts.
- In der Kreuzung: der eigenen Leitlinie folgen, ohne Korrektur.
- In der Zielstraße: sauber in einem Fahrstreifen ankommen, nicht auf der Linie.
- Danach: Spurwechsel nur mit Spiegel, Blinker, Schulterblick.
Üben, bevor es Geld kostet
Genau diese Entscheidung, in welcher Spur das Auto ankommen muss, kannst du in DriveDE trainieren: vier Kreuzungen, jede mit Leitlinien, jede mit einer falschen Antwort, die dir sofort die Regel dazu sagt. Die Lektion "Abbiegen (Links)" enthält den Trainer, die Lektion "Rechtsabbiegen" das Szenario zum mehrspurigen Rechtsabbiegen mit dem Schulterblick aus der linken Spur.
Und wenn du in Hamburg übst: Fahr die Glinder Straße einmal bewusst ab. Danach ist die Kreuzung keine Killerkreuzung mehr, sondern zwei Linien, denen man folgt.